Klett statt Kleber

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Sto - Klett statt Kleber

Von der Natur abgeschaut: Klett hält die Fassadendämmung fest und sicher - ermöglicht nach Jahren aber ebenso den Rückbau und das Recycling des Materials. Foto: djd/Sto SE & Co. KGaA

Amberg (djd|wro) - Was wird aus der Dämmung von heute, wenn sie nach einigen Jahrzehnten der Nutzung ausgetauscht werden soll? Lässt sie sich dann einfach entsorgen oder - noch besser - wiederver-
werten? Diese Frage stellen sich heutzutage viele Eigenheimbesitzer und auch der Gesetzgeber, der deswegen die Recyclingquote gleich mal erhöhen will: Immerhin 70 Prozent aller in Europa eingesetzten Baustoffe sollen bis 2020 wiederverwertbar sein. Bei Dämmsystemen ist das einfacher gesagt als getan: Klassische Systeme bestehen aus verschiedenen Schichten, die mit Klebern angebracht werden und sich anschließend kaum noch in die einzelnen Materialien trennen lassen. Doch mittlerweile gibt es erste alternative Dämmsysteme, die recy-
celbar sind. Vorausschauende Modernisierer sind also gut beraten, bei der Entscheidung für die energetische Sanierung genau hinzusehen.

Der clevere Aufbau der Fassadendämmung per Klettbefestigung ermöglicht später den Rückbau und sortenreine Trennung der Baumaterialien. Foto: djd/Sto SE & Co. KGaA

Fassadendämmung im Stil der "Großen Klette"

Eine wesentliche Voraussetzung für das Recycling von Dämmsystemen ist, das bisherige Klebeverfahren durch andere Lösungen zu ersetzen. Die zündende Idee dafür liefert die Natur: Die Pflanzenfamilie der "Großen Klette", deren Früchte zahllose Borsten mit Spitzen aus winzigen elastischen Häkchen tragen, stand Pate für die Entwicklung des leistungsstarken Klettverschlusses. In einem gemeinsamen Forschungsprojekt von Sto und dem Institut für Architekturtechnologie der Technischen Universität Graz wurde die Klettverbindungstechnik damit erstmals auch für die Wärmedämmung nutzbar gemacht. Das Resultat ist ein Fassadensystem, das sich nach seiner Lebensdauer einfach zurückbauen, nahezu sortenrein trennen und wiederverwenden lässt.

Hält fest und lässt sich später wieder lösen

Bei der Montage des Dämmsystems "StoSystain R" wird zunächst die Fassade mit Dämmplatten belegt und gesichert. Daraufhin werden Spezialdübel durch den Dämmstoff hindurch im Mauerwerk verankert. Die Köpfe dieser Dübel sind mit einem Gewebe aus pilzförmigen Noppen versehen, außerdem sind die Dübelköpfe beweglich, um kleinere Bauwerkstoleranzen auszugleichen. Als nächstes werden Putzträgerplatten aus recyceltem Altglas auf der Fassade platziert, die auf der Rückseite mit der zweiten Komponente des Klettverschlusses, einem Schlaufengewebe, ausgestattet sind. Pilzförmige Noppen und Schlaufen gehen eine hoch belastbare Verbindung ein, die stabil hält, sich aber später auch wieder lösen lässt. Die Platten erhalten abschließend ein Unterputz- und Glasfasergewebe und sowie einen Deckputz als Abschluss. Das neue Dämmsystem ist bereits mit Putzoberfläche erhältlich, später sollen noch weitere Varianten der Fassadengestaltung hinzukommen.

Spezialdübel werden durch den Dämmstoff hindurch im Mauerwerk verankert. Sie tragen pilzförmige Noppen, eine wesentliche Kompo-nente des Klettverschlusses für die Fassadendämmung. Foto: djd/Sto SE & Co. KGaA Die Dübelköpfe sind beweglich, um kleinere Bauwerkstoleranzen auszugleichen. Foto: djd/Sto SE & Co. KGaA

Die Kraft der Natur nutzen

Die Fachwelt war beeindruckt: Unter dem Motto "Fassaden der Zukunft" feierte das recycelbare Fassadendämmsystem auf der internatio-
nal renommierten Fachmessen "BAU 2017" in München seine Premiere. Die innovative Klettverbindung fand große Beachtung. Der Inno-
vationspreis "Architektur + Bauwesen", der auf der Fachmesse verliehen wird, würdigte das System mit dem Titel "Besondere Auszeich-
nung". Die Entwicklung basiert auf der wissenschaftlichen Disziplin der Bionik - der Nutzung natürlicher Phänomene für industrielle Pro-
dukte. Bionik bringt Innovationen hervor, welche die Kraft der Natur mit höchster Effizienz umsetzen. In Zusammenarbeit mit der TU
Graz ist es gelungen, das System der Klettfrüchte nun auch auf ein Dämmsystem zu übertragen.


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